Erfolgversprechende Hinweise
Seminar »Das erfolgreiche Sachverständigen-Büro« der ARGE Dr. Aurnhammer


Lebhafter Vortrag:
P.-A. Kamphausen

Die Mainstadt Würzburg ist einer der
Orte, an denen regelmäßig Seminare
der ARGE Dr. Aurnhammer stattfinden:
Aus. und Fortbildung vor allem - aber
nicht nur -für Bau- und Immobilien-
sachverständige, die ja das Gros der
Sachverständigen ausmachen.
Zusätzlich zu dem vierstufigen Grund-
lagenprogramm gibt es verschiedene
Sonderkurse. Einer davon ist der Kurs
»Das erfolgreiche Sachverständigen-
Büro«. Als der Kurs erstmals angebo-
ten wurde (so erzählt einleitend
Dipl.-Ing. Joachim Jaensch, einer der
Väter des Programms), kamen viele
erfolgreiche Sachverständige, die Tips
erwarteten, wie sie angesichts un-
erledigter Gut- achtenberge Kunden
fernhalten könnten. Das war eigentlich
nicht die Fragestellung, die man sich
vorgenommen hatte. Diesmal am einem
Freitag Ende Mai, hat man die Ziel-
gruppe genauer getroffen. Im gut vor-
bereiteten Seminarraum sitzen hinter
Tischen etwa vierzig Leute, Alter
zwischen, dreißig- und sechzig. Man
hat gut Platz zum Schreiben, und
hundert inhaltsreiche Seiten Unterla-
gen warten in einem Ordner vor jedem
Teilnehmer. Der Kurs geht von halb
zehn bis abends um sechs, so daß
man aus 200 km Umkreis ohne Über-
nachtung an- und abreisen kann.
Hauptreferent ist Dipl.-Ing. Peter-
Andreas Kamphausen, Bau- und
Wohnungssachverständiger aus
Hamburg. Ihm sekundiert gelegentlich
Dipi.-Ing. Dietmar Warmbrunn aus
Oldenburg, der auch Mitautor der
Unterlagen ist.
Kamphausens Technik ist der freie
Vortrag, gestützt durch Overhead-
folien. Hier ist es nicht so wie bei
manchen durchhängenden Routine-
Vorträgen, wo der Referent sich von
Folie zu Folie hangelt und wenig mehr
weiß als jeder darauf lesen kann.
Kamphausen hat den Stoff voll im
Kopf. Seine kräftige, helle hanseati-
sche Stimme ist ebenso tempera-
mentvoll wie Mimik und Gestig.
Keinen Augenblick lassen Tempo Und
Konzentration nach, dennoch sind
ihm Zwischenfragen willkommen.
Die Stimmung ist freundlich-sachlich,
fast jeden Teilnehmer kennt
Kamphausen persönlich von anderen
Seminarveranstaltungen.
Die Themenblöcke des Tages sind:
Rahmen- bedingungen und Grund-
prinzipien; Das Sachverständigen-
büro/Die Sachverständigen-
»Firma«; Auftragsakquisition und
Werbung (Marketing); Auftragsab-
wicklung (und EDV); Haftungsbe-
grenzung und Versicherung;
Honorarabsicherung; Steuerfragen.
Es zeigt sich, daß - obwohl auf der
politischen Ebene in den letzten
Jahren für
die Sachverständigen be-
kanntlich wenig vorangeht - die
Rahmenbedingungen so im Fluß sind,
daß heute vielfach nicht mehr empfohlen
werden kann, was vor fünf Jahren ok war.
Eine kleine Gesetzesänderung hier, ein
Gerichtsentscheid dort - der Sachverstän-
dige muß auf dem Laufenden sein, um für
seinen Laden die Weichen richtig zu stellen.
In den Kursunterlagen werden übrigens an
vielen Stellen Artikel dieser Zeitschrift
zitiert. Teilnehmer, die eine GmbH gegrün-
det haben, berichten von negativen Er-
fahrungen. Das Partnerschaftsgesell-
schaftsgesetz wird bisher nicht von Sach-
verständigen genutzt; Kamphausen
berichtet hier von einer Änderung der
Haftungsregelung, die günstig für die
Sachverständigen ist (jeder haftet nur für
sich). Aber immer noch 80% der SV sind
Einzelkämpfer, und diese Situation scheint
sich trotz rechnerischer Nachteile nur sehr
langsam zu ändern.Vor und nach der Mit-
tagspause geht es ums Marketing. In der
Pause äußert ein Teilnehmer, hier müsse
der Referent aber »noch einiges bringen«,
um den Erwartungen gerecht zu werden.
Das kommt auch, vor allem methodische
Hinweise zur Marktuntersuchung, ferner
Beispiele, wie es andere machen. Es kommt
aber nicht zu. Schuppen/Haare-Erlebnissen.
Es ist nicht der sensationelle Stein der
Weisen, den Kamphausen anbietet. Die
Teilnehmer müssen und werden in der
Praxis selbst sehen, was sie von den Tips
und Informationen wie umsetzen können
und wollen. Neue Tätigkeitsfelder sind
gefragt. Warmbrunn schildert aus seiner
Arbeit im Oldenburger Raum erfolgreiche
Ansätze der baubegleitenden Qualitäts-
kontrolle. Ein Teilnehmer wünscht sich von
den Berufsverbänden, sie sollen ein öffent-
liches Bewußtsein davon schaffen, daß
Häuser eigentlich wie Autos regelmäßige
Wartung und technische Prüfung brauchen.
Das wäre natürlich eine klassische Aufgabe
für die Sachverständigen.
Unter den Teil-
nehmern sind keine gescheiterten
Existenzen. Hier kommt man nicht her, um
eben noch der Pleite zu entkommen,
sondern um die paar Prozent besser zu
werden, die es einem ermöglichen, mit
mehr Freude und Erfolg bei der Sache zu
sein. Zum Erfolg gehört - darauf weist
Warmbrunn besonders hin - auch die
erfolgreich gelebte Partnerschaft. Wer sein
Sachverständigenbüro so führt, daß Ehe
und Familie in die Brüche gehen, könne
wohl kaum von erfolgreicher Arbeit
sprechen.
Auf EDV-Technik geht Kamphausen nur
kurz ein. Während es für Immobilienbe-
werter auf dem Markt mehrere Programm-
pakete gibt, ist das für den Bereich Bau-
schäden nicht der Fall, wegen der Vielfalt
der Wirklichkeit. Das Thema EDV wird im
Skript ausführlich behandelt, mündlich aber
nur gestreift. Ein Teilnehmer wünscht sich
einen Kurs »Fotografie für Sachverständi-
ge«. Am nächsten Tag findet noch der
»Erfahrungsaustausch Bauschäden« statt,
die meisten Teilnehmer haben beide Kurse
gebucht. In der Pause bespricht man sich,
wo es am Abend hingeht. Herr Jaensch hat
Tische in einem guten Weinlokal reserviert.
Einige Norddeutsche wollen aber lieber ein
Bier trinken gehen, denn letztes Mal waren
sie nach dem fröhlichen Abend am zweiten
Tag nicht so recht in der Lage, dem Vortrag
zu folgen:
»Wär doch schade ums Geld.«
Michael Friedrichs
Der Sachverständige - Juli-August 1999

WICHTIGER HINWEIS:
Die Tagung wird ständig aktualisiert. Das neue Schuldrecht 2002 sowie die Rechtsprechung und die sich daraus für die Sachverständigenpraxis (z.B. Vertragsklauseln, Haftungs- und Honorarfragen u.a.) ergebenden wichtigen Änderungen sind komplett eingearbeitet und auf neuesten Stand.
ARGE-INFOTAG ERFAHRUNGSAUSTAUSCH